Ich bin kein Experte. Keine NGO, kein Wissenschaftler, kein Politiker. Ich bin ein ganz normaler Typ Mitte dreißig, der einmal gemerkt hat: Warten bringt nichts. Also fange ich an – und zwar selbst.

Wie das alles anfing
Wenn ich ehrlich bin, fing das Ganze gar nicht mit dem Klima an. Es fing mit meiner Frau an.
Sie war Studentin, als wir uns kennengelernt haben, und hat sich ihr Leben mit Nebenjobs finanziert. Aus der Not heraus hat sie sehr auf ihre Ausgaben geachtet und ziemlich unfreiwillig minimalistisch gelebt. Vor ihr habe ich mich mit Finanzen kaum beschäftigt. Ich hatte keine Geldsorgen – aber auch kein Erspartes. Ich war ein harter Konsument, durch und durch.
Mit der Zeit habe ich mir finanzielles Wissen angeeignet, und mein Verhältnis zu Geld und Konsum hat sich verändert. Wie viele sagen: „Du schaffst kein Vermögen durch das, was du verdienst, sondern durch das, was du nicht ausgibst.“ Ich wurde sparsamer und habe mehr auf Qualität statt Quantität gesetzt – auch wenn das ein paar Jahre gedauert hat.
Zum Thema Nachhaltigkeit bin ich dann primär durch die medienwirksamen Informationen über die Klimakrise gekommen. Und als wir schwanger wurden, hatte ich dieses Gefühl: Ich möchte meiner Tochter eine lebenswerte Welt hinterlassen. Mit einem Mal war klar – ich warte nicht mehr. Ich fange an.
Was mich bisher blockiert hat
Oft hindert mich die Einschätzung, dass meine kleinen Anstrengungen ohnehin nicht viel bringen. Zusätzlich werden einem häufig Steine in den Weg gelegt, wenn man versucht, nachhaltiger zu leben.
Frustriert bin ich hauptsächlich von Menschen, die den Klimawandel nicht als Krise begreifen und aus einer egoistischen Perspektive argumentieren, um an sich und ihrem Verhalten nichts ändern zu müssen. Dabei vergessen sie oft das Gemeinwohl und die sozio-ökologischen Kosten, denn Umwelt- und Klimaschutz geht uns alle etwas an.
Mein erster Schritt: der Teller
Der erste Schritt war, unsere Einkäufe und unsere Ernährung umzustellen. Ich habe den Veganuary ausprobiert, zeitweise komplett vegetarisch gelebt, und heute versuche ich, Fleisch als ein bewusstes Luxusgut zu sehen – was es auch ist, denn da liegt ein – auch wenn es hart klingt – vorzeitig beendetes Leben auf unserem Teller. Ich fühle mich gut dabei, nicht mehr in dem Ausmaß Teil des Tierleids zu sein.
Da ich bei uns die Lebensmittel einkaufe und koche, habe ich auch darauf geachtet, mehr saisonale und regionale Lebensmittel zu kaufen. Soweit möglich in Bio-Qualität und unverpackt.
Und falls du denkst, solch ein Schritt bringt ohnehin nichts: Das stimmt nicht ganz. Unser Essen ist für rund ein Viertel der weltweiten Treibhausgase verantwortlich, und tierische Produkte schlagen dabei am stärksten zu Buche (Poore & Nemecek, Science 2018). Laut Umweltbundesamt verursacht eine vegane Ernährung rund 40 % weniger CO₂ — etwa 610 kg weniger pro Person und Jahr (Vattenfall / UBA). Ein einzelner Teller klingt nach wenig. Multipliziert mit Millionen Tellern wird daraus eine ganze Menge.
Warum die Politik es für mich nicht richten kann
Ich glaube, Politik ist erstens zu langsam, weil der politische Apparat zu träge ist und es für die Notwendigkeit in Anbetracht der Lage keinen parteienübergreifenden Konsens gibt. Sie stützt sich zu wenig auf Fakten und Wissenschaft. Und das aktuelle System ist schlicht kein Treiber für Klima- und Umweltschutz, sondern für Scheinwohlstand durch Ausbeutung und Raubbau. Wir sollten den Fokus auf sozio-ökologisches und sozio-ökonomisches Wirtschaften legen.
Das heißt nicht, dass Politik gar nichts bewirkt. Sie wirkt nur langsamer, als ich bereit bin, zu warten – und langsamer, als meine Tochter es sich leisten kann.
Was ich dir wünsche
Ich wünsche mir, dass du einfach mal darüber nachdenkst, ob der oft schlecht geredete Verzicht, der mit Klima- und Umweltschutz einhergeht, nicht auch eine Bereicherung sein kann. Wir können uns wieder mehr auf Qualität einlassen und wirklich den Genuss erleben, in welchem Luxus wir auch mit Verzicht leben.
Du musst nicht alles auf einmal ändern. Du musst nur anfangen. Genau das tue ich hier – Schritt für Schritt, ehrlich, ohne erhobenen Zeigefinger.
Ich bin der Normal Guy. Schön, dass du da bist.
Quellen
- Poore, J. & Nemecek, T. (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 360 (6392), 987–992. — Our World in Data, Zusammenfassung
- Umweltbundesamt / Vattenfall: Vegane Ernährung und CO₂-Einsparung (~40 %, 610 kg/Jahr). — Vattenfall
- WWF Deutschland: Einsparpotenzial flexitarischer, vegetarischer und veganer Ernährung in Deutschland. — WWF


